Firmeninsolvenzen im 1. Halbjahr 2010

Zahl der Firmenpleiten steigt um 4,5 Prozent / Prognose für das Gesamtjahr fällt moderat aus

Kernergebnisse:

  • Firmenpleiten steigen im ersten Halbjahr zahlenmäßig um 4,48 Prozent auf 17.178 Fälle
  • Prognose rechnet mit bis zu 35.000 Unternehmensinsolvenzen in 2010
  • Länderspitzenreiter bei den absoluten Zahlen ist Nordrhein-Westfalen (3.305 Fälle)
  • Bremen verzeichnet mit 80 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen relativ den höchsten Wert im Ländervergleich
  • Stärkster Anstieg in Hessen mit 25,3 Prozent auf 1.316 Fälle
  • 6.977 Gewerbebetriebe von Firmeninsolvenzen betroffen (Anteil: 41 Prozent)
  • Besonders häufig von Pleiten betroffen sind junge Firmen (Maximalalter zwei Jahre; Anteil: 18 Prozent)
  • Größte Hemmnisse einer positiven Entwicklung: fehlende Aufträge, Dominoeffekte durch Kundeninsolvenzen und Kreditklemme
Überblick: Zahl der Firmeninsolvenzen steigt um 4,5 Prozent im ersten Halbjahr
Im ersten Halbjahr 2010 meldeten 17.178 Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit. Das entspricht einem Anstieg um 4,48 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres mit 16.441 Firmeninsolvenzen. Dennoch fällt die Zunahme an Firmenpleiten geringer aus als befürchtet. Die Hamburger Wirtschaftsauskunftei BÜRGEL geht im laufenden Jahr von einem moderaten Anstieg um drei bis vier Prozent aus und prognostiziert für 2010 bis zu 35.000 Firmeninsolvenzen – siehe Grafik 1.
Grafik 1

Grafik 1


Die Ursachen: Günstige Rahmenbedingungen und eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit hiesiger Unternehmen sorgen für eine positive Wirtschaftslage. So erleichtert der sinkende Euro-Kurs den Export. Laut dem Statistischen Bundesamt stieg die Exportleistung im April um 9, im Mai sogar um 29 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet in diesem Jahr in Deutschland mit einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent.

„Dennoch müssen immer noch mehr Unternehmen ein Insolvenzverfahren eröffnen als zum Zeitpunkt der Finanzkrise. Noch ist kein wirtschaftliches Gleichgewicht erreicht“, skizziert BÜRGEL-Geschäftsführer Dr. Norbert Sellin. Das Risiko eines konjunkturellen Rückschlags sei weiterhin gegeben. Auch durch Forderungsausfälle bei Geschäftspartnern könnten weitere Unternehmen von einer Pleite erfasst werden.

Insolvenzstatistik pro Bundesland: Nordrhein-Westfalen ist bei den absoluten, Bremen bei den relativen Zahlen Schlusslicht
Spitzenreiter bei den Firmeninsolvenzen ist im ersten Halbjahr in absoluten Zahlen gesehen Nordrhein-Westfalen (3.305 Fälle). Auf den folgenden Plätzen rangieren Bayern mit 2.258 Pleiten, Baden-Württemberg (1.863) und Niedersachsen (1.781) – siehe Grafiken 2 und 3.
Grafik 2

Grafik 2


Grafik 3

Grafik 3


Bringt man die Statistik in Beziehung zur Firmendichte in den jeweiligen Ländern, ergibt sich folgendes Bild. Demnach ereigneten sich in Hamburg mit 29 Fällen je 10.000 Firmen am wenigsten Unternehmenspleiten – gefolgt von Bayern (38), Baden-Württemberg, dem Saarland und Thüringen (je 40 Fälle). Diese Länder liegen unterhalb des Bundesdurchschnitts mit 46 Unternehmensinsolvenzen je 10.000 Firmen.

Den schlechtesten Wert verzeichnet, weit abgeschlagen, Bremen mit 80 Firmeninsolvenzen je 10.000 Unternehmen. Aber auch in Sachsen-Anhalt (67 Fälle je 10.000 Firmen), Schleswig-Holstein (62) und in Berlin (59) zeigen sich erhöhte Werte – siehe Grafiken 4 und 5.
Grafik 4

Grafik 4


Grafik 5

Grafik 5


Im Ranking der Großstädte ist Berlin mit 912 Insolvenzen trauriger Rekordhalter. Aber auch Hamburg (499) und München (307) weisen hohe Fallzahlen auf – siehe Grafik 6.
Grafik 6

Grafik 6



Veränderungen auf Länderebene: Hessen legt am stärksten zu
Den stärksten Anstieg bei den Insolvenzzahlen verzeichnet im ersten Halbjahr Hessen mit 25,3 Prozent auf 1.316 Fälle (1. Halbjahr 2009: 1.050). Aber auch Bayern (plus 22,66 Prozent; 1. Halbjahr 2010: 2.258; 1. Halbjahr 2009: 1.841), Niedersachsen (plus 21,65 Prozent; 1. Halbjahr 2010: 1.781; 1. Halbjahr 2009: 1.464), Bremen (plus 20,69 Prozent, 1. Halbjahr 2010: 211; 1. Halbjahr 2009: 175) und Baden-Württemberg (plus 20,29 Prozent, 1. Halbjahr 2010: 1.863, 1. Halbjahr 2009: 1.549) melden hohe Fallzahlen – siehe Grafiken 7 und 8.
Grafik 7

Grafik 7


Grafik 8

Grafik 8


Unterdessen ist die Insolvenzstatistik im Saarland mit minus 29,79 (1. Halbjahr 2010: 165, 1. Halbjahr 2009: 235) Prozent rückläufig – ebenso in Nordrhein-Westfalen (minus 22,36 Prozent, 1. Halbjahr 2010: 3.305; 1. Halbjahr 2009: 4.257), Thüringen (minus 17,99 Prozent, 1. Halbjahr 2010: 461; 1. Halbjahr 2009: 562) und Hamburg (minus 8,20 Prozent, 1. Halbjahr 2010: 499, 1. Halbjahr 2009: 544).
Pleiten nach Unternehmensstruktur: Gewerbebetriebe und junge Firmen am stärksten betroffen
Am stärksten berühren die Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr Gewerbebetriebe. Laut BÜRGEL-Statistik sind diese Gewerbler – insgesamt 6.977 Firmen – in 41 Prozent aller Fälle betroffen. 35 Prozent aller Firmeninsolvenzen gehen auf das Konto der Rechtsform GmbH. Hier sind im Untersuchungszeitraum 5.982 Unternehmen in die Pleite gerutscht – siehe Grafik 9.
Grafik 9

Grafik 9


Auffällig ist, dass immer stärker Unternehmen, die maximal zwei Jahre am Markt agiert haben, in die Zahlungsunfähigkeit gleiten. Deren Anteil an der Insolvenzstatistik macht 18 Prozent aus. Davon abgesehen sind alle übrigen Firmenaltersgruppen gleichmäßig stark von Zahlungsunfähigkeit betroffen – bis auf eine positive Ausnahme: Den geringsten Anteil machen diejenigen Firmen aus, die bereits mehr als 50 Jahre existieren. „Wer lange am Markt etabliert ist, hat die besten Chancen zu überleben“, resümiert Sellin.

Hauptursachen für Firmeninsolvenzen und Ausblick: Größte Hemmnisse bilden fehlende Aufträge, Dominoeffekte und Kreditklemme
Auch wenn die Fallzahlen geringer als erwartet ausfallen, ist die Entwicklung im ersten Halbjahr für die deutsche Wirtschaft nicht zu unterschätzen. Die Anzahl an Firmenpleiten steigt weiterhin. Die vier Hauptursachen für das hohe Maß an Firmenpleiten sind erstens das Ausbleiben neuer Aufträge bzw. Stornierung oder Verschiebung bereits erteilter Aufträge. Zweitens sorgen Dominoeffekte dafür, dass zahlungsunfähige Firmen weitere Unternehmen mit in die Insolvenz reißen. Drittens ist die restriktive Kreditvergabe der Banken mitverantwortlich an dem Pleitetrend auf weiterhin hohem Niveau. Viertens haben viele Unternehmen auch innerbetriebliche Fehler begangen: bei der Führung, durch fehlende Kontrollen und mangelnde strukturelle Anpassung sowie veraltete Technologien.

Für das laufende Gesamtjahr rechnet Bürgel mit bis zu 35.000 Firmeninsolvenzen. Ein wirtschaftliches Gleichgewicht ist laut Sellin noch nicht erreicht und eine endgültige Prognose erst nach Ablauf des dritten Quartals möglich.
 
Drucken   PDF E-Mail
Drucken PDF E-Mail

20.07.2010
Firmeninsolvenzen 1. Halbjahr 2010

Newsletter
Jetzt kostenlos abonnieren: BÜRGEL News, Marktberichte, Tipps und Services.

Eintragen

Kontakt

Bürgel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
presse@buergel.de

BÜRGEL auf Twitter

BuergelHamburg

BÜRGEL auf Facebook

Bürgel Wirtschaftsinformationen