Firmeninsolvenzen 2009 in Deutschland

Anstieg der Insolvenzzahlen um elf Prozent / deutliche Zunahme für 2010 prognostiziert

Überblick:
Steigende Tendenz bei Firmenpleiten auch in 2010, geografische und strukturelle Unterschiede
Im Jahr 2009 meldeten 33.762 Unternehmen in Deutschland Insolvenz an.1 Das sind 11,08 Prozent mehr als im Vorjahr (30.394). Damit hat sich die Prognose der Hamburger Wirtschaftsauskunftei BÜRGEL von rund 34.000 Firmenpleiten im abgelaufenen Kalenderjahr bestätigt.

2009 nahm die Zahl an Unternehmensinsolvenzen zum zweiten Mal in Folge wieder zu. Unter dem Strich gerieten in den vergangnen zehn Jahren 340.921 Firmen in die Zahlungsunfähigkeit – siehe Grafik 1.

Unternnehmensinsolvenzen in Deutschland (absolut), 2000-2009
Grafik 1

Für 2010 prognostiziert BÜRGEL einen Anstieg auf 37.000 bis 40.000 Fälle.
Im Bundesvergleich verzeichnet die Studie bei den Firmenpleiten 2009 große Unterschiede bei regionaler Ausprägung, Unternehmensstruktur und -alter.


Insolvenzstatistik pro Bundesland:
Nordrhein-Westfalen führt bei absoluten, Bremen bei relativen Werten
Im Untersuchungszeitraum von Januar bis Dezember 2009 ereigneten sich, absolut gesehen, in Nordrhein-Westfalen die meisten Unternehmensinsolvenzen (7.178), gefolgt von Bayern (4.267), Baden-Württemberg (3.619) und Niedersachsen (3.423) – siehe Grafiken 2 und 3.

Insolvenzverfahren pro Bundesland (absolut), 2009
Grafik 2

Insolvenzverfahren pro Bundesland (absolut), 2009, Verfahren insgesamt
Grafik 3

Relativ betrachtet (absolute Werte von Unternehmensinsolvenzen pro Bundesland im Verhältnis zu den jeweils gemeldeten Firmen, mit 10.000 multipliziert) zeigt die Insolvenzquote ein differenziertes Bild auf Länderebene – siehe Grafiken 4 und 5.

Karte: Insolvenverfahren pro Bundesland (je 10.000 Unternehmen), 2009
Grafik 4

Insolvenzverfahren pro Bundesland (je 10.000 Unternehmen), 2009
Grafik 5

Demnach stammen die meisten zahlungsunfähigen Unternehmen aus Bremen – 146 pro 10.000 Firmen. Auf Platz zwei folgt Sachsen-Anhalt (130 je 10.000 Firmen). Über dem Bundesdurchschnitt von 91 Unternehmensinsolvenzen je 10.000 liegen außerdem Schleswig-Holstein mit 120 Pleiten, Niedersachsen (105), Nordrhein-Westfalen (101), Sachsen (100), Berlin (98) und Brandenburg (95). Den geringsten Anteil an relativ gemessenen Firmenpleiten meldet Hamburg mit 58 Fällen je 10.000 Unternehmen, gefolgt von Bayern (72) und Baden-Württemberg (78). Unter dem Bundesdurchschnitt rangieren außerdem Thüringen und Rheinland-Pfalz mit jeweils 88 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen.

Großstädte:
Berlin mit den meisten Firmenpleiten, niedrigste Werte in Kiel
Bei der Analyse der Top-30-Städte (siehe Grafik 6) verzeichnet Berlin im Jahr 2009 am meisten Unternehmensinsolvenzen: 1.507 Fälle. Das entspricht einem Anteil von 4,46 Prozent aller Firmenpleiten 2009 in Deutschland. Platz zwei nimmt Hamburg mit 992 Firmeninsolvenzen (2,94 Prozent) ein, gefolgt von München (559 Fälle). Am wenigsten Pleiten ereigneten sich in Kiel (91 Fälle), Aachen (93 Fälle) und Karlsruhe (97 Fälle).

Unternehmensinsolvenzen in den Großstädten (absolut), 2009
Grafik 6

Veränderungen pro Land:
Berlin mit stärkstem Rückgang
Im Vergleich des Jahres 2009 mit dem Vorjahr zeigt sich ein differenziertes Bild: Laut Studie stieg die Zahl der zahlungsunfähigen Unternehmen bundesweit um 11,08 Prozent. Am meisten legte der Pleitetrend in Bremen mit einem Drittel mehr Firmeninsolvenzen (plus 32,53 Prozent) zu. Waren es 2008 noch 292 Unternehmen, die aufgeben mussten, wurden im vergangenen Jahr 387 Firmeninsolvenzverfahren eröffnet. Knapp hinter Bremen rangiert Baden-Württemberg mit einer Zunahme um 32,32 Prozent (2008: 2.735 Fälle; 2009: 3.619). Hohe Zuwächse verzeichnen auch Hessen (plus 29,95 Prozent), Schleswig-Holstein (plus 23,89 Prozent) und Bayern (plus 20,20 Prozent).
Am stärksten rückläufig ist die Zahl an Firmenpleiten in Berlin mit minus 11,35 Prozent. Mussten dort 2008 noch 1.700 Unternehmen Gläubigerschutz beantragen, waren es im Folgejahr noch 1.507 Firmen. Ebenfalls rückläufig sind die Insolvenzwerte in Nordrhein-Westfalen mit minus 6,44 Prozent (2008: 7.672 Fälle; 2009: 7.178) – siehe Grafik 7.

Prozentuale Veränderung der Firmeninsolvenzen pro Bundesland (Vergleich 2008-2009)
Grafik 7

Knapp 43 Prozent (14.440) aller im Untersuchungszeitraum insolventen Unternehmen waren nicht älter als sechs Jahre. Aber auch Firmen, die 11-20 Jahre am Markt bestehen, sind nicht vor der Pleite gefeit: 2009 rekrutierte sich knapp ein Drittel der zahlungsunfähigen Unternehmen aus dieser Kategorie (28,32 Prozent; 9.563 Fälle). Laut Studie sinkt das Insolvenzrisiko erst wieder bei alteingesessenen Unternehmen, die bereits 50 Jahre oder länger am Markt bestehen. Mit 3,22 Prozent ist deren Anteil an der Insolvenzstatistik 2009 am geringsten (1.086).

Vor allem jüngere Unternehmen von der Krise betroffen
Aus der Unternehmensstruktur lässt sich ein Insolvenzrisiko nicht automatisch ableiten. Dennoch sticht hervor, dass 16,55 Prozent der Unternehmen, die in den letzten zwölf Monaten zahlungsunfähig wurden, nicht älter als zwei Jahre am Markt aktiv waren – siehe Grafik 8. Insgesamt handelt es sich dabei um 5.589 Firmen.

Insolvenzne pro Unternehmensalter 2009
Grafik 8

Gewerbebetriebe gehen am häufigsten pleite
Die meisten Unternehmen, die von Januar bis Dezember 2009 in ein Insolvenzverfahren verwickelt wurden, sind Gewerbebetriebe mit einem Anteil von 41,42 Prozent (13.924 Fälle), gefolgt von GmbHs (30,72 Prozent; 10.370 Fälle) und den Rechtsformen GmbH & Co. KG bzw. Gesellschaft bürgerlichen Rechts/GbR (9,3 Prozent; 3.131 Fälle) – siehe Grafik 9.

Insolvenzen nach Rechtsform 2009
Grafik 9

Hauptursachen zunehmender Firmeninsolvenzen und Ausblick
Die Prognose über 34.000 Firmenpleiten, von BÜRGEL vor einem Jahr für 2009 aufgestellt, hat sich mit 33.762 tatsächlichen Fällen bestätigt. Die Ursachen dieser Insolvenzen sind komplex. Während die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Richtung vorgeben, bestimmen betriebswirtschaftliche Faktoren insbesondere das Risiko für kleine, mittlere und junge Unternehmen. Nach wie vor fehlt es vielen Unternehmen an Kunden. Die Auftragsbestände sind abgearbeitet. Kredite werden restriktiv vergeben. Indikatoren sind die deutlich gestiegenen Insolvenzzahlen sowie eine weiterhin hohe Kurzarbeiterquote.

Die Binnennachfrage und der Export haben sich derweil auf niedrigem Niveau stabilisiert. Der Arbeitsmarkt läuft dem konjunkturellen Einbruch zeitversetzt hinterher. Ein Nachfrageschub aus dem privaten Konsum ist vor dem Hintergrund steigender Arbeitslosenzahlen auch 2010 nicht zu erwarten. „Tatsächlich beobachten wir eine Kreditklemme, die zusammen mit Zahlungsrückständen und -ausfällen sowie dem Mangel an Eigenkapital das Risiko steigern, dass Unternehmen die Liquidität verloren geht“, sagt BÜRGEL-Geschäftsführer Dr. N. Sellin. Für 2010 rechnet BÜRGEL mit 37.000 bis 40.000 Insolvenzfällen.
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13.01.2010
Firmeninsolvenzen 2009

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