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Titel: Zahlungsmoral Privatpersonen in Deutschland 1. bis 3. Quartal 2009
Datum: 17.12.2009

Zahlungsmoral Privatpersonen in Deutschland

1. bis 3. Quartal 2009

26 Prozent weniger eidesstattliche Versicherungen, 11 Prozent weniger Haftanordnungen als in den ersten drei Quartalen 2008 – aber Anstieg der Fallzahlen in der zweiten Jahreshälfte 2009.

Grundlegung und Überblick
Rückläufiger Trend bei gerichtlichen Maßnahmen / Steht eine Trendumkehr kurz bevor?
Die Zahl gerichtlicher Maßnahmen zur Eintreibung offener Forderungen gegen Privatpersonen sind im Zeitraum von Januar bis September 2009 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres rückläufig: Laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftsauskunftei BÜRGEL in Hamburg gaben 472.344 Bürger im Untersuchungszeitraum eine eidesstattliche Versicherung ab. Das entspricht einem Rückgang um 25,97 Prozent. In den ersten drei Quartalen 2008 waren es noch 638.035 Fälle. Ferner verhängten Gerichte von Januar bis September diesen Jahres 339.772 Haftanforderungen, 11,3 Prozent weniger als im Untersuchungszeitraum 2008. Damals waren es noch 378.790 Fälle.

Indes verzeichnet BÜRGEL in fast allen Bundesländern im dritten gegenüber dem zweiten Quartal 2009 einen Anstieg von Eintreibungsmaßnahmen bei offenen Forderungen: Die Zahl der eidesstattlichen Versicherungen kletterte im Quartalsvergleich um 24,65 Prozent von 142.729 auf 177.911 Fälle. Die Zahl der Haftanordnungen stieg um 21,6 Prozent – von 104.404 auf 126.954 Maßnahmen.

Geografische Verteilung gerichtlicher Maßnahmen
Jeder dritte Fall in Nordrhein-Westfalen
Mit 127.816 eidesstattlichen Versicherungen (EV) und 90.912 Haftanordnungen (HA) ist Nordrhein-Westfalen trauriger Spitzenreiter im Länder-Ranking. Dort finden 27 Prozent aller Eintreibungsmaßnahmen offener Forderungen statt. Zweiter ist Bayern mit 53.743 eidesstattlichen Versicherungen und 43.896 Haftanforderungen – siehe Grafiken 1 und 2.
Eidesstattliche Versicherungen pro Bundesland (absolut)
Grafik 1
Haftanordnungen pro Bundesland (absolut)
Grafik2

Da absolute Werte aufgrund der unterschiedlichen Bevölkerungszahlen je Bundesland nur begrenzt aussagekräftig sind, untersucht die Studie ferner die Menge an Eintreibungsmaßnahmen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl des jeweiligen Landes. Laut dieser relativen Zahlen zeigt sich folgendes Bild. Demnach bildet Berlin das Schlusslicht (945 eidesstattliche Versicherungen bzw. 657 Haftanordnungen je 100.000 Einwohner). Davor rangiert Bremen (875 EV bzw. 529 HA je 100.000 Einwohner). Der Bundesdurchschnitt liegt bei 576 eidesstattlichen Versicherungen und 414 Haftanordnungen je 100.000 Einwohner.

Bei den eidesstattlichen Versicherungen befindet sich noch das Saarland (719 Fälle je 100.000 Einwohner) über dem Durchschnitt, Hamburg bei den Haftanordnungen (479). Nordrhein-Westfalen (713 EV bzw. 507 HA) liegt bei beiden Werten über dem Bundesschnitt.

Am besten schnitten bei den eidesstattlichen Versicherungen Baden-Württemberg mit 386 und Bayern mit 429 Fällen ab. Bei den Haftanordnungen folgt Sachsen mit 276 Fällen auf den Primus Schleswig-Holstein mit 271 gerichtlichen Verfügungen – siehe Grafik 3.
Eidesstattliche Versicherungen und Haftanordnungen pro Bundesland (je 100.000 Einwohner
Grafik 3

Regionale Veränderungen zwischen 2. und 3. Quartal
Nur in Hamburg sind eidesstattliche Versicherungen rückläufig
Im dritten Quartal 2009 stieg die Zahl der eidesstattlichen Versicherungen im Vergleich zum Vorquartal in 15 Bundesländern an. Nur in Hamburg ist dieser Wert um 2,24 Prozent rückläufig (2. Quartal: 4.070, 3. Quartal 3.979). Die stärksten Zuwächse verzeichnet Schleswig Holstein mit 67,81 Prozent (2. Quartal: 3.951, 3. Quartal 6.630), gefolgt von Thüringen mit 58,27 Prozent (2. Quartal: 3.295, 3. Quartal 5.215) und Sachsen-Anhalt (2. Quartal: 4.065, 3. Quartal 6.201).

Bei den Haftanordnungen ist in Thüringen ein dramatischer Anstieg um 75,77 Prozent (2. Quartal: 1.808, 3. Quartal 3.178) zu beobachten. Auf Platz zwei folgt Sachsen-Anhalt mit 58,7 Prozent (2. Quartal: 2.378, 3. Quartal 3.774). Baden-Württemberg belegt Platz drei mit einer 56,65-prozentigen Steigerung (2. Quartal: 9.772, 3. Quartal 15.308). Nur in Bremen ist die Zahl der Haftanordnungen um minus 2,7 Prozent rückläufig (2. Quartal: 1.185, 3. Quartal 1.153).

Verteilung nach soziodemografischen Faktoren
Männer und „Mid Ager“ am stärksten betroffen
Zwei Drittel (64,46 Prozent) der eidesstattlichen Versicherungen gehen auf das Konto von Männern. Bei den Haftanordnungen liegt der Männeranteil sogar bei 69,42 Prozent – siehe Grafik 4.
Auswertung pro Geschlecht
Grafik 4

Die meisten eidesstattlichen Versicherungen finden bei den 46- bis 60-Jährigen statt (Anteil: 27,98 Prozent). Der Anteil der 36- bis 45-Jähringen beziffert sich auf gut ein Viertel (26,24 Prozent). Die wenigsten Fälle betreffen die Über-60-Jährigen. Diese haben einen Anteil von lediglich 9,45 Prozent.

Bei den Haftanordnungen ist die Gruppe der 36- bis 45-Jähringen mit knapp einem Drittel (29,48 Prozent) am stärksten vertreten – siehe Grafik 5.
Auswertung pro Altersklasse
Grafik 5

Hauptursachen für Eintreibungsmaßnahmen offener Forderungen
Häufigster Grund für offene Rechnungen sind nicht nur Arbeitslosigkeit und Liquiditätsengpässe bei Verbrauchern, sondern auch der ungeübte Umgang mit dem verfügbaren Einkommen. Häufig laufen mehrere Ratenkredite gleichzeitig und führen zu unüberschaubaren Schuldenbergen. Insofern sind gerichtliche Eintreibungsmaßnahmen oft Vorboten einer drohenden Insolvenz. Mangelhaftes Kredit- und Forderungsmanagement, das zahlungsgefährdete Kunden mit so genannten Negativmerkmalen nicht erkennt, führt daher im geschäftlichen Bereich zu Forderungsausfällen
Vor diesem wirtschaftlichen Hintergrund raten die Experten von Bürgel zu konsequenten Bonitätsprüfungen von Kunden, um die eigene Unternehmensliquidität zu sichern.

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