Steigende Zahl von Firmenpleiten und unterschiedliche Entwicklungen in Deutschland
Die Finanz- und Wirtschaftskrise bringt deutsche Unternehmen zunehmend unter Druck. Bereits 2008 war die Zahl der Firmeninsolvenzen wieder angestiegen, nach einem rückläufigen Trend seit 2003. Im ersten Quartal 2009 meldeten insgesamt 6.765 Unternehmen Insolvenz an. Im Vergleich zum 4. Quartal des letzten Jahres bedeutet das einen Anstieg um 11,3 Prozent.
Große regionale und strukturelle Unterschiede
Die aktuelle Studie Firmeninsolvenzen der Wirtschaftsauskunftei BÜRGEL, die die Insolvenzentwicklung von Unternehmen im 1. Quartal 2009 analysiert, zeigt signifikante Unterschiede zwischen den Bundesländern, beim Unternehmensalter und bei der Rechtsform.
GmbHs, die zwischen 0 und 2 Jahre alt sind und ihren Firmensitz in Bremen haben, sind statistisch gesehen am häufigsten von einer Unternehmensinsolvenz betroffen.
Betrachtet man die absoluten Zahlen, so waren mit 1.335 Firmenpleiten in Nordrhein-Westfalen im 1. Quartal 2009 die meisten Unternehmensinsolvenzen zu beobachten, gefolgt von Bayern (794) und Niedersachsen (746).
Diese Zahlen sind aufgrund der unterschiedlichen Unternehmensstrukturen in den einzelnen Bundesländern jedoch nur begrenzt aussagekräftig.
Im Verhältnis zu den Gesamtzahlen der Unternehmen in den einzelnen Bundesländern ergibt sich ein anderes Bild.
Danach sind Unternehmen aus Bremen am häufigsten pleitegegangen, nämlich 32 je 10.000 Unternehmen, gefolgt von Sachsen-Anhalt (29) und Schleswig-Holstein (28). Die wenigsten Firmenpleiten werden aus Hamburg und Bayern mit jeweils 13 Fällen je 10.000 Unternehmen gemeldet, dicht gefolgt von Baden-Württemberg mit 15 Pleiten.
Zuwächse im Vergleich zum letzten Quartal
Vergleicht man die Zahlen aus dem 4. Quartal 2008 mit den Zahlen des 1. Quartals 2009, ist zu beobachten, dass in fast allen Bundesländern die Zahlen der Unternehmensinsolvenzen angestiegen sind.
Die stärksten Zuwächse sind in Sachsen-Anhalt (+36,65 Prozent), Hessen (+28,61 Prozent) und in Baden-Württemberg (+28,60 Prozent) zu verzeichnen.
Nur in Nordrhein-Westfalen (–2,91 Prozent), Brandenburg (–1,64 Prozent) und in Berlin (–0,32 Prozent) sind die Unternehmensinsolvenzen rückläufig.
Unternehmensalter und Insolvenz
Ein Insolvenzrisiko lässt sich aus dem Unternehmensalter nicht automatisch ableiten. 17,29 Prozent aller Unternehmen, die im 1. Quartal 2009 in die Insolvenz gegangen sind, waren nicht älter als 2 Jahre. Aber auch mehr als 10 Jahre alte Unternehmen sind nicht vor einer Insolvenz geschützt. So waren 26,62 Prozent der 6.765 insolventen Firmen im 1. Quartal 2009 zwischen 11 und 20 Jahre am Markt.
Das Risiko der Unternehmensinsolvenz sinkt erst wieder bei alteingesessenen Unternehmen. Den geringsten Anteil (4,54 Prozent) der insolventen Unternehmen machen Firmen aus, die schon länger als 50 Jahre am Markt bestehen.
Rechtsform und Insolvenz
Den größten Anteil aller insolventen Firmen stellen Gewerbebetriebe mit 2.788 Pleiten (41,21 Prozent) und GmbHs mit 2.628 Pleiten (38,85 Prozent). 62 in die Insolvenz gegangene AGs haben einen Anteil von nur 0,92 Prozent. Der Rest verteilt sich auf diverse Rechtsformen.
Ein differenziertes Bild ergibt sich bei Betrachtung der Insolvenzquoten der Rechtsformen, also der Zahl der Firmenpleiten je 10.000 Unternehmen.
Hier belegen Aktiengesellschaften mit einer Quote von 26 Pleiten je 10.000 Unternehmen den ersten Platz, gefolgt von GmbHs mit einer Insolvenzquote von 23, GmbH & Co. KGs (16) und Gewerbebetrieben (13).
Hauptursachen zunehmender Firmeninsolvenzen
Obwohl sich derzeit die Anzeichen verstärken, dass die konjunkturelle Talsohle im Sommer dieses Jahres erreicht sein wird, ist Optimismus verfrüht. Vielen Unternehmen fehlt es momentan schlicht an Kunden, die Auftragsbestände sind abgearbeitet. Dieser Umstand ist an den deutlich gestiegenen Insolvenzzahlen und einer weiterhin hohen Kurzarbeitsquote zu sehen.
Sowohl die Binnennachfrage seitens der Unternehmen nach Investitionsgütern als auch der Export haben in den letzten Monaten weiter deutlich nachgegeben. Der Arbeitsmarkt läuft der negativen Konjunktur um einige Zeit hinterher. Ein Nachfrageschub aus dem privaten Konsum ist vor dem Hintergrund steigender Arbeitslosenzahlen 2009 nicht zu erwarten.
Durch die Finanzkrise sind Bankkredite teuer und schwer zu bekommen. Die Nachfrage von Unternehmen nach Krediten aus dem staatlichen Rettungsfonds zieht an. Weitere Probleme von Unternehmen sind Zahlungsrückstände oder Zahlungsausfälle von Kunden und der Mangel an Eigenkapital. Damit steigt in den nächsten Monaten die Gefahr, dass es Unternehmen an Liquidität fehlt.
Infolge dieser Entwicklung ist nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei BÜRGEL in diesem Jahr mit einer Zunahme der Firmeninsolvenzen auf 34.000 Fälle zu rechnen.