Weiterhin rückläufige Tendenz bei Privatinsolvenzen, aber große regionale Unterschiede.
Insgesamt meldeten 30.491 Bundesbürger im 1. Quartal 2009 Privatinsolvenz an, das sind 37 Personen auf 100.000 Einwohner. Im Vergleich zum 4. Quartal des Vorjahres bedeutet das einen Rückgang um 7,5 Prozent.
Das Süd-Nord-Gefälle bei den Privatinsolvenzen verstärkt sich
Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen fällt auch im 1. Quartal 2009 je nach Bundesland sehr unterschiedlich aus.
Insgesamt sind Verbraucher der nördlichen Bundesländer deutlich stärker von Privatinsolvenzen betroffen als Verbraucher aus dem Süden.
Am häufigsten nahmen Verbraucher aus Bremen das Insolvenzgericht in Anspruch, nämlich 71 je 100.000 Einwohner, am seltensten die Thüringer mit 21 Fällen je 100.000 Einwohner. Gut stehen weiterhin die Verbraucher in den beiden südlichsten Bundesländern da. So meldet Bayern 29 und Baden-Württemberg 30 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner.
Ein Vergleich mit den absoluten Zahlen aus dem 4. Quartal 2008 zeigt ebenfalls ein uneinheitliches Bild in den Bundesländern. In Bremen stiegen die Privatinsolvenzen mit einem Plus von 37,32 Prozent am stärksten an. Ebenfalls steigend sind die Zahlen in Hamburg (plus 7,25 Prozent) und Schleswig-Holstein (plus 6,02 Prozent).
Die größte Abnahme bei den Privatinsolvenzen im Vergleich zum Vorquartal verzeichnet Thüringen mit 38,19 Prozent. Auch in Nordrhein-Westfalen (minus 24,55 Prozent) und in Berlin (minus 23,12 Prozent) sind weniger Privatinsolvenzen als im letzten Quartal zu beobachten.
Keine Veränderungen in der Altersstruktur bei den Privatinsolvenzen
Ein Vergleich der Altersstrukturen mit den Zahlen des letzten Jahres (Schuldenbarometer 2008) zeigt fast identische Ergebnisse im 1. Quartal 2009:
Besonders stark sind die Altersgruppen der 36- bis 45-Jährigen (31,82 Prozent/9.702) sowie der 46- bis 60-Jährigen (33,92 Prozent/10.344) von Verbraucherinsolvenzen betroffen. Mit steigendem Alter sinkt dann das Risiko einer Privatinsolvenz. So waren im 1. Quartal nur 7,86 Prozent aller insolventen Bundesbürger älter als 60 Jahre. Der Grund dafür ist zum einen, dass Ältere erfahrener im Umgang mit Geld sind und mehr Ersparnisse anlegen konnten. Zum anderen haben sie nicht mehr so hohe Kosten: Kredite sind abbezahlt und die Kinder in der Regel aus dem Haus.
Männer und junge Frauen gefährdet
Weiterhin gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede: 58,5 Prozent aller Bundesbürger, die im 1. Quartal 2009 Privatinsolvenz angemeldet haben, sind männlich (2008 waren es 59 Prozent).
Dass Männer häufiger von Verbraucherinsolvenz betroffen sind, gilt für alle Altersgruppen – mit einer Ausnahme: Bei den unter 25-Jährigen ist die Anzahl der insolventen weiblichen Privatpersonen (56 Prozent/727) höher als die der männlichen. Im Jahr 2008 waren es 55 Prozent.
Arbeitslosigkeit ist Hauptursache für Verbraucherinsolvenzen
Trotz der – verglichen mit dem 4. Quartal des letzten Jahres – rückläufigen Zahl der Verbraucherinsolvenzen im 1. Quartal 2009 prognostiziert die Wirtschaftsauskunftei BÜRGEL eine Zunahme der Verbraucherinsolvenzen auf Gesamtjahressicht in Deutschland.
Auf mehr als 140.000 Fälle könnte ihre Zahl ansteigen, so BÜRGEL. Diese Prognose basiert unter anderem auf dem Anstieg der Arbeitslosenquote in den letzten Monaten (Jan. 2009: 8,3 Prozent, Febr. 2009: 8,5 Prozent, März 2009: 8,6 Prozent; Quelle: Statistisches Bundesamt).
Die Finanz- und Wirtschaftskrise führt bei vielen Unternehmen zu Liquiditätsengpässen. In den nächsten Monaten ist mit einer deutlich steigenden Zahl von Unternehmenspleiten zu rechnen. Der Arbeitsmarkt läuft der negativen Konjunktur einige Zeit hinterher. So ist von einer weiter steigenden Arbeitslosenzahl im 2. Halbjahr 2009 auszugehen. Da Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit zwangsläufig eine Verringerung der Einkommen zur Folge haben, wird hierin der Hauptauslöser für die Überschuldung von Privatpersonen in den Jahren 2009/2010 zu sehen sein.
Im ersten Quartal 2009 stieg der Zahlungsverzug der Verbraucher bereits an: Unternehmen müssen länger darauf warten, dass Kunden ihre Rechnungen begleichen.
Nach wie vor maßgeblich für private Schulden sind vorübergehende Liquiditätsengpässe und laufende Ratenkredite. Ein Grund für den prognostizierten Anstieg der Privatinsolvenzen ist laut BÜRGEL daher auch, dass es wesentlich schwieriger geworden ist, von Banken einen neuen Kredit zu bekommen: Bei den Sicherheiten werden strengere Maßstäbe angelegt als in den Jahren zuvor.
Daneben bleiben die typischen Ursachen von privater Insolvenz bestehen: Veränderungen im persönlichen Umfeld durch Trennung, Scheidung oder den Tod der Partnerin bzw. des Partners, Erkrankungen, Unfälle sowie das Scheitern der Selbstständigkeit. Summieren sich die Verpflichtungen oder kommt sogar noch Arbeitslosigkeit dazu, geraten Verbraucher schnell in eine finanzielle Schieflage. Dann bleibt häufig nur noch die Anmeldung der Verbraucherinsolvenz.