BÜRGEL Studie: Schuldenbarometer 2007

Deutsche verschulden sich weniger

Hamburg – Der Trend zum Konsum auf Pump scheint gebrochen. Die Gesamtzahl der verschuldeten Haushalte wuchs im vergangenen Jahr noch leicht, aber der Zuwachs reduzierte sich um über 20 Prozent.

Wie aus dem aktuellen Schulden-Barometer „Zahlungsmoral deutscher Konsumenten 2007“ der BÜRGEL Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG hervorgeht, betrug der Anstieg der Privatinsolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr nur noch 7,6 Prozent. Waren es zuletzt noch 27,7 Prozent mehr Schuldner als im Jahr 2005, die den Gang in die Insolvenz antreten mussten, stieg die Gesamtanzahl im Jahr 2007 nur von 127.293 auf 137.000 private Pleiten.

Frühindikatoren warnen rechtzeitig
Auch die Frühindikatoren für eine drohende Privatinsolvenz blieben relativ stabil. Zu diesen Frühindikatoren gehören die Eidesstattliche Versicherung und die Haftanordnung. Beantragt ein privater Schuldner die Insolvenz, hat er in der Regel mindestens eine der Maßnahmen schon durchlaufen. Die erste Stufe, die Eidesstattliche Versicherung, konnten sich 2007 besonders viele Konsumenten ersparen: 2,4 Prozent weniger Anträge mussten die Gerichtsvollzieher bearbeiten. Die Zahl der Haftanordnungen stieg lediglich um 0,4 Prozent. „Sehr oft beginnt der Weg in die Schuldenfalle mit den ersten Inkassoverfahren. Häufig sind es dann diese Kandidaten, die nach der Eidesstattlichen Versicherung und der Haftanordnung schließlich vor dem Insolvenzrichter stehen“, erläutert Iris Stadie, Sprecherin von BÜRGEL. Das Schulden-Barometer zählt insgesamt 1.634.203 Fälle, die 2007 erfasst wurden, und zeigt wie ein Seismograf den Schuldentrend in Deutschland an. So wird die Studie, die seit 1998 zweimal im Jahr durchgeführt und veröffentlicht wird, zu einem Frühindikator für die Zahlungsmoral in Deutschland und für das Risiko von Forderungsausfällen für Unternehmen.

Bundesländer bieten uneinheitliches Bild
Am stärksten gingen die Eidesstattlichen Versicherungen und Haftanordnungen in Berlin (–10,7 Prozent), Bremen (–10,6 Prozent) und Hamburg (–10,5 Prozent) zurück, während Niedersachsen (+8,2 Prozent), Sachsen (+2,4) und Sachsen-Anhalt (+1,5) die höchsten absoluten Zuwächse melden. Besonders dramatisch haben die Brandenburger ihr Konsumverhalten verändert. Konnten sie noch gegenüber 2005 ihre titulierten Forderungen um 22 Prozent verbessern, haben 2007 wieder mehr Brandenburger über ihre Verhältnisse gelebt. Dagegen haben die Berliner statt 9,5 Prozent Zuwachs von Privatinsolvenzen im Vorjahresvergleich ihr Schuldenverhalten 2007 deutlich verbessert. „Die Privatinsolvenz ist immer der letzte Schritt in der Schuldenspirale. Viele Schuldner, bei denen heute bereits zwei oder drei Eidesstattliche Versicherungen vorliegen, erscheinen in zwei bis drei Jahren vor dem Insolvenzrichter. Die Entwicklung der Privatinsolvenzen ist also direkt gekoppelt an die Entwicklung der Negativmerkmale und schlägt sich zeitversetzt in der Statistik nieder“, so Iris Stadie.
Konsumenten werden vorsichtiger – Unternehmen verbessern ihr Forderungsmanagement
Neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie der gesunkenen Arbeitslosigkeit, wirkt sich die zunehmende Aufklärung durch Schuldnerberatungen und die Themenberichterstattung in den Medien auf das Konsumverhalten und die Kreditaufnahme der Konsumenten aus. Ein weiterer Grund für die geringer werdende Verschuldung sind die Kreditinstitute, die sich bei der Kreditvergabe an kleine Betriebe, Selbstständige und Konsumenten zurückhaltender zeigen. Ebenso verzeichnet BÜRGEL, die auch Inkasso-Services anbietet, ein deutlich konsequenteres Forderungsmanagement bei den Unternehmen.
Verschuldung nimmt weiterhin ab
Der Anstieg bei den Privatinsolvenzen wird laut BÜRGEL auch 2008 weiter rückläufig sein. Der Spezialist für Wirtschaftsauskünfte und Inkassodienstleistungen rechnet für das Jahr 2008 nur noch mit einer Zunahme um 4 bis 7 Prozent auf rund 135.000 Privatinsolvenzen. Für die Frühindikatoren der Privatinsolvenzen, die Eidesstattlichen Versicherung und die Haftanordnung, sagen die Experten von BÜRGEL einen Rückgang um 2 Prozent voraus.
Schuldenbarometer 2007
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28.02.2008
Schuldenbarometer 2007

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